Kategorie: Joomla

  • Open Source Cookies und KI-Agenten: Insights vom JoomlaCamp 2026 aus Essen.

    Open Source Cookies und KI-Agenten: Insights vom JoomlaCamp 2026 aus Essen.

    Ich melde mich mal mit ein paar Tagen Abstand zum JoomlaCamp 2026 im Essener Unperfekthaus zurück. Wer mich kennt, weiß: Ich bin bei goneo im PM und Marketing unterwegs. Wer mich kennt, weiß: Als PM bei einem Hoster wie goneo bin ich eher Fan von klaren Strukturen und Roadmaps.

    Deswegen war ich anfangs – ich gebe es zu – etwas skeptisch, was das Format angeht. Es war nämlich eine Unkonferenz (oder Barcamp, für die Retros unter uns). Das heißt: Kein festes Programm, keine vorab gebuchten Speaker-Slots.

    Stattdessen hieß es am Morgen: „So Leute, was habt ihr im Gepäck?

    Gelebte Agilität in Reinform

    Corkboard with handwritten notes and tally marks, displaying a schedule with topics and times
    Der Tagesplan für den Businessday beim JoomlaCamp 2026: Themen wurden von der Community gesammelt und nahe Echtzeit den Räumen zugewiesen.

    Das Bild, das ihr hier seht, war der„Masterplan“ für den Businessday. Jeder, der was zu sagen hatte, hat sein Thema auf eine Karte geschrieben, kurz gepitcht, und die Community hat abgestimmt. Der Gastgeber hat das fast in Echtzeit in die Räume und Zeitslots einsortiert.

    Was vielleicht nach Chaos klingt, hat erstaunlich gut funktioniert. Warum? Weil dadurch genau die Themen auf den Tisch kamen, die uns jetzt unter den Nägeln brennen – und nicht das, was ein Marketing-Team vor sechs Monaten in eine Agenda gepresst hat.

    Für mich als Marketer bei einem Hoster ist das wie eine Fokusgruppe auf Steroiden. Ich sehe ungefiltert, wo die Reise hingeht. Hier ist mein „Professional Take“ – ohne Marketing-Sprech, dafür mit Substanz.

    Als Hoster sind wir per se CMS-agnostisch. Ob du WordPress, Typo3 oder eben Joomla auf unsere Server wirfst, ist uns erst mal egal – solange es performant läuft und die Support-Kollegen nicht mit Sicherheitslücken in den Wahnsinn getrieben werden.

    Wer das Gebäude Unperfekthaus kennt, weiß: Das ist ein verwinkeltes Labyrinth, viereinhalb Stockwerke hoch aus Kreativität und renoviertem Retro-Ruhrpott-Charme mit offene Dachterrassen und nettem Restaurant/Bar in der Lobby.

    Das richtige Setting für das, was wir da besprochen haben. Während draußen die Welt über „NeoCoulds“ buzzworded und Claude als KI-Hype abfeiert, haben wir uns im Business-Track mal mehr oder weniger trocken angeschaut, wo die Reise für Joomla bis 2028 hingeht.

    Hier also mein Recap – ein bisschen tiefer unter die Haube geschaut, als man es im Hochglanz-Prospekt lesen würde.

    Wenn man zwei Tage in Essen mit der Joomla-Core-Prominenz in den Räumen sitzt, ändert sich der Blickwinkel. Aus der Hoster-Perspektive ist Joomla nämlich gerade verdammt spannend geworden. 

    Cookies, Lizenzen und der deutsche „Engine Room“

    Echt jetzt: Jemand hat „Open Source Cookies“ mitgebracht. Mürbeteig mit beiliegender Zutatenliste und Lizenz. Klingt nach einem Nerd-Witz, ist aber eigentlich das perfekte Sinnbild für diese Community. Man will jetzt wissen, was drin ist. Keine Blackbox ansteuern. 

    In Essen wurde klar: Die deutsche und europäische Community ist das Rückgrat der Entwicklung bei Jooma. Wenn Sigrid Gramlinger (ihres Zeichens Joomla Department Coordinator Production) über die Roadmap spricht, Consent Management Ansätze abfragt oder Benjamin Trenkle (CMS Maintenance Team Leader) die AI Policy erklärt, dann merkst du: Hier geht es nicht um „schnell mal was hinklatschen“, sondern um Rechtssicherheit und professionelle Standards.

    Das kann als typisch deutsch gelesen werden, im besten Sinne heißt das: Der German Stack. Die Leute hier bauen den „Engine Room“ – auch für den europäischen Mittelstand.

    Wie ein CMS-agnostischer Hoster heute auf Joomla schaut

    Wir bei goneo beobachten den Markt der Webanwendungen genau. Open-Source ist ein Faktor. Während andere Systeme sich in Richtung „Closed Ecosystems“ oder Plugin-Pagebuilder-Monster entwickeln, hat Joomla in Essen eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Stabilität durch Struktur.

    Security & Lifecycle: Der „Boring can be sexy“-Faktor

    Aus Marketing-Sicht klingt „Sicherheit“ oft langweilig. Für uns als Hoster-Provider ist es das Fundament. In Essen ging es auch um Compliance.

    • Mein Take: Joomla 5 und 6 sind „Secure by Design“. Für uns als deutsches Unternehmen ist das Gold wert. Wir brauchen Partner und Communities, die DSGVO nicht als Hindernis, sondern als Standard akzeptieren und wahrnehmen. Die Sessions haben gezeigt: Die Leute bauen hier komplexe Business-Lösungen, keine Hobby-Blogs. Das ist die Zielgruppe, die wir bei goneo mit unseren Paketen ansprechen wollen.
    • Sicherheitsdenke bedeutet für uns: Weniger gehackte Instanzen, weniger Stress mit automatisierten Bots. Das ist für einen Hoster ein riesiges Plus bei den Betriebskosten (TCO). 

    Die Technik: Von der „Insel“ zum „Hub“

    Früher war Joomla eine Art Insel, ein eigener Ansatz, eigene Workflows. Heute ist es eine API-first Schaltzentrale. Verfolgt man die Sessions von Marc Dechèvre von Woluweb aus Brüssel, dann wird das sehr deutlich.

    1. MCP (Model Context Protocol) – Der Gamechanger

    Besonders krass waren die Sessions von David Jardin (Joomla Security Liaison)  und Stefan Wendhausen (Joomla CMS Release Team Leader) zum Model Context Protocol (MCP). Der Clou: Damit können KI-Modelle wie ChatGPT oder Claude direkt mit den Daten in Joomla „kommunizieren“. 

    DIe Hoster-Perspektive: Wenn Joomla zum Headless-Hub für KI-Agenten wird, ändert das die Lastprofile auf unseren Servern. Wir bei goneo müssen hier Infrastruktur bieten, die diese API-Dauerfeuer weglächelt. Marc Dechèvre (Automatisierungsexperte) hat das mit Make-Workflows und der Joomla-API direkt in die Praxis übersetzt. Krass, was da an Effizienz drinsteckt.

    • Was das für uns bedeutet: Wenn Joomla-Instanzen anfangen, über MCP direkt mit KI-Modellen zu kommunizieren, verschiebt sich die Last auf den Servern Richtung I/O. Wir reden weniger über RAM-lastiges PHP-Rendering, sondern über API-Calls und automatisierte Workflows (Callout an Marc Dechèvre für die Demo mit Make).
    • Die Erkenntnis: Joomla entwickelt sich weg vom reinen Anzeigewerkzeug hin zum Content-Hub. Für goneo heißt das: Wir müssen unsere Infrastruktur genau auf diese API-First-Szenarien optimieren.
      MCP ist für Joomla technisch gesehen ein Sprung. Statt dass wir mühsam jedes KI-Tool per Hand anbinden, bietet Joomla eine standardisierte Schnittstelle.
    • Der Benefit: Claude, ChatGPT oder lokale LLMs können direkt mit den Joomla-Daten sprechen.
    • Use Case: Du tippst: „Analysiere die Tabelle mit den Zugriffszahlen und schreib mir basierend auf den bestperformenden Beiträgen drei Teaser-Texte für die Startseite.“ Das passiert ab 2026 nativ, ohne dass du Daten händisch kopieren musst.

    2. agents.md und die neue KI-Policy

    Agents.md ist quasi eine maschinenlesbare Anleitung für KI-Coding-Agenten in nahezu flachem Text. Wenn eine KI beim Coden hilft, muss sie die Struktur von Joomla verstehen. Das steht in der md-Datei. Mit diesem Standard stellen wir sicher, dass KI-generierter Code nicht den Core zerschießt. Pragmatismus schlägt hier Angst. Wir nutzen die Tools, aber kontrollieren die Qualität. Agents helfen beim Coden und Warten helfen. Für uns bedeutet das: Die Einstiegshürde für komplexe Projekte sinkt, während die Code-Qualität durch KI-Reviews steigt.

    Roadmap 2028: Was ist in der Pipeline?

    Ich habe mir die Pläne für die nächsten zwei Jahre angeschaut. Wer glaubt, Joomla ruht sich auf Version 5 oder 6 aus, irrt. Die Roadmap bis 2028 fokussiert sich auf drei neue Kernpunkte:

    Feature-BereichErwartung bis 2028Warum das wichtig ist
    Structured ContentTiefe Integration von Custom Fields in den Core-Workflow.Weniger Abhängigkeit von Overrides, sauberere Datenbanken.
    Performance 2.0Native Unterstützung für modernste Bildformate und Edge-Caching.Google Core Web Vitals werden noch strenger; Joomla liefert Out-of-the-Box.
    AI Integration„AI-Assisted Site Building“ im Backend.Kunden können Content-Strukturen per Prompt vorschlagen lassen.

    Was kommt da auf uns und auf Anwender zu?

    • Structured Data & Custom Fields: Das ist der Tod des „Frickel-Overhead“. Joomla wird im Core so sauber, dass wir im Hosting weniger Caching-Tricks anwenden müssen, weil die Datenbankabfragen effizienter werden.
    • Mein Take: Das wird die Art, wie wir Content managen, komplett disruptieren. Wenn das CMS zum „Knowledge Hub“ wird, brauchen wir Infrastrukturen, die solche massiven API-Abfragen weglächeln.
    • PHP-Evolution: Joomla ist immer vorne mit dabei, wenn es um neue PHP-Versionen geht. Das pusht uns, unsere Plattformen aktuell zu halten, wovon am Ende alle unsere Kunden profitieren – egal welches CMS sie nutzen.

    Wer trägt das Ganze eigentlich? (Governance & Business)

    Manchmal wird man gefragt: „Markus, wer garantiert mir eigentlich, dass es Joomla in fünf Jahren noch gibt?“

    Für uns bei goneo ist die Stabilität eines Projekts wichtig. Joomla wird von Open Source Matters (OSM) verwaltet.  Das ist kein Ein-Mann-Betrieb.

    OSM ist eine Non-Profit-Organisation, nach US-Recht eine 501(c)(3)), die 2005 gegründet wurde, als sich Joomla von Mambo abgespalten hat. Wenn es um Lizenzen, Markenrechte (Trademarks) oder Verträge geht, tritt OSM als juristische Person auf. Ohne OSM gäbe es niemanden, dem die Marke „Joomla“ gehört – und das wäre im Business-Umfeld ein totales Risiko.

    OSM verwaltet die Gelder. Sponsoring-Einnahmen, Spenden und Einnahmen aus dem Partner-Programm fließen hier rein und werden für die Infrastruktur (Server, Downloads, Marketing) wieder ausgegeben.

    Es gibt ein Board of Directors, das strikt nach Ressorts getrennt ist (Marketing, Finance, Programs). Das Ganze ist demokratisch organisiert.

    • Ich habe mir auch mal die Board-Rollen und die Organisation angeschaut.
    • Mein Fazit: Das ist eine extrem solide, demokratische Struktur. Es gibt keinen „Single Point of Failure“ durch einen Investor, der plötzlich den Geldhahn zudreht. Diese Unabhängigkeit ist für einen Hoster wie goneo ein wichtiges Argument für die langfristige Empfehlung an unsere Kunden.

    Und: Es gibt auch keinen CEO, der morgen beschließt, die Preise um 300% zu erhöhen oder das Projekt an eine Heuschrecke zu verscherbeln. Joomla gehört eigentlich allen.

    Aus unternehmerischer Perspektive kann man eine gewisse  Investment-Sicherheit ableiten. Allerdings fehlt sichtlich ein kommerzieller Arm in einer Welt, in der SaaS-Tools kommen und gehen. Joomla wirkt wie der der Fels in der Brandung – ist ja auch gerad wie goneo 20 Jahre alt geworden.

    Es scheint mit OSM zu funktionieren.  Die Rollen im Board sind klar verteilt. Dass Leute wie Sigrid oder Benjamin tief involviert sind, gibt Hostern das Vertrauen, dass Joomla auch 2028 noch die Engine für anspruchsvolle Business-Websites sein kann.

    Mein Fazit aus Essen

    JoomlaCamp 2026 war ein Augenöffner. Die Organisation und die Akteuere zeigen sich pragmatisch, hochprofessionell und haben den KI-Wandel voll auf dem Schirm. Für goneo bedeutet das: Wir werden unsere Hosting-Pakete noch spezifischer auf diese API- und KI-Workflows optimieren müssen.

    Joomla 2026 fühlt sich nun weniger wie ein CMS an, mehr wie ein Enterprise-Framework. Oder – um ein anderes Bild zu wählen – wie ein gut gewarteter Motor, unaufgeregt, zuverlässig, aber mit der neuen KI-Einspritzung (MCP), so dass es jetzt richtig anziehen kann. Alle Sprachbilder haben eins gemeinsam: Sie sind mindestens leicht schief, aber sie illustrieren: Man bastelt nicht, man baut Architekturen. Und Joomla ist das Fundament, das stabil bleibt, während sich die KI-Welt drumherum dreht.

    Viele Diskussionen drehten sich um Skalierbarkeit und über das YOOtheme Pro Template als Shining Star und Industriestandard für effizientes Design. Auch ein interessanter Impuls: Playwright für automatisiertes Testing. Dirketen Nutzwert lieferten Leute, die nicht der Joomla-Organisation angehören, sondern vielleicht eine Agentur betreibenm, wie zum Beispiel Peter Martin von db8 aus den Niederlanden mit der Präsentation seiner Sammlung netter Tools (nicht nur) für Joomla

    Um auf den Punkt zu kommen: Wir bei goneo bleiben natürlich CMS-agnostisch, weil wir die Wahlfreiheit lieben. Aber nach diesem Joomlacamp in Essen muss ich sagen: Joomla hat seinen Platz in der Professional-Ecke mehr als verdient. Wer Struktur sucht und keine Lust auf „Lock-in-Effekte“ hat, kommt 2026 an Joomla nicht vorbei.

    Die Diskussionen am Board und in den Sessions zeichnen ein klares Bild für die nächsten zwei Jahre:

    1. AI-Native Features: Nicht nur ein Plugin, sondern tiefe Integration im Core.
    2. Positioning: Ein Marketing- & Positionierungs-Experte einer Agentur hat eine interessante Debatte angestoßen: Wo liegt der Wert des Developers, wenn die KI den Code schreibt? Fragen, die man auch im Hause goneo hört. Antwort: In der Architektur und der Strategie.

    Wie sieht’s bei dir aus? Hast du schon eine Strategie, wie du die neuen MCP-Möglichkeiten in deine Kundenprojekte integrierst, oder ist das für dich noch zu weit weg?

    Schreib mir mal – oder noch besser: Sollen wir mal gemeinsam schauen, wie wir deine aktuelle Joomla-Instanz auf die Roadmap 2028 vorbereiten?

    Fragen, die dieser Text beantworten kann

    Wo fand das JoomlaCamp 2026 statt?

    Das Event wurde im Unperfekthaus in Essen abgehalten.

    Welches Veranstaltungsformat wurde für das JoomlaCamp gewählt?

    Es handelte sich um eine Unkonferenz (auch bekannt als Barcamp), bei der es kein festes Programm oder vorab gebuchte Sprecher-Slots gab.

    Wer berichtet in diesem Text über seine Erfahrungen?

    Der Autor ist im Bereich Produktmanagement (PM) und Marketing bei dem Hostinganbieter goneo tätig.

    Warum war der Autor dem Format gegenüber zunächst skeptisch eingestellt?

    Aufgrund seiner beruflichen Rolle als Produktmanager bevorzugt er normalerweise klare Strukturen und feststehende Roadmaps, was im Gegensatz zum offenen Konzept einer Unkonferenz steht.

  • Warum goneo auf Joomla setzt – und diesen Blog trotzdem mit WordPress schreibt

    Warum goneo auf Joomla setzt – und diesen Blog trotzdem mit WordPress schreibt

    Ein Blick hinter die Kulissen unserer neuen Web-Architektur: Über Atomic Design, digitale Souveränität und warum wir Technologie nicht dogmatisch, sondern pragmatisch wählen.

    Es ist offiziell: Die neue goneo Corporate Website ist live. Sie ist schnell, sie ist modern, und wer einen Blick in den Quellcode wirft, wird vielleicht überrascht sein. Wir setzen dort nicht auf den globalen Marktführer. Wir setzen auf Joomla 5.4, das T4 Framework und das JA Stark Template.

    Moment mal – liest du das hier nicht gerade auf einem WordPress-Blog? Ganz genau. Und das ist kein Widerspruch, sondern Strategie.

    Die Elefanten im Raum: 40% Marktanteil und die WordPress-Power

    Wir wissen natürlich genau, in welcher Welt wir leben. Mehr als 40% aller Websites weltweit basieren heute auf WordPress. Das System, einst als kleiner Blog gestartet, ist heute das Betriebssystem des Webs. Ob als kommerzieller Service bei WordPress.com oder als Self-Hosted-Variante mit mächtigen Pagebuildern wie Elementor oder Divi: WordPress ist der Standard.

    Deshalb läuft unser eigener Blog und unser Social Hub social.goneo.de ganz bewusst auf WordPress. Wir wollen weiter Teil dieses gigantischen Ökosystems sein, die Plugins testen, die unsere Kunden nutzen, und unsere Expertise in der WordPress-Welt stetig ausbauen. Wir lieben die Dynamik, die Community und die schiere Unendlichkeit der Möglichkeiten, die WordPress bietet.

    Aber für unsere Hauptseite – das Herzstück unserer Infrastruktur – haben wir uns für einen anderen Weg entschieden. Einen europäischen Weg.

    Warum Joomla 5.4 für uns „Enterprise“ bedeutet

    Für unsere Corporate Site hatten wir Anforderungen, die über das klassische Blogging hinausgingen. Wir wollten eine Architektur, die Sicherheit, Datenschutz und modulare Entwicklung (Atomic Design) nativ verbindet.

    Hier hat uns Joomla 5.4 überzeugt – und zwar nicht aus Nostalgie, sondern wegen harter Fakten:

    1. Architektur statt Baukasten (Atomic Design)

    Mit dem T4 Framework unter der Haube arbeiten wir nach dem Atomic Design Prinzip. Wir bauen keine „Seiten“, wir konstruieren Systeme aus Atomen (Buttons), Molekülen (Suchfelder) und Organismen (komplette Header). Das sorgt für extrem sauberen Code, schnelle Ladezeiten und eine Wartbarkeit, die bei komplexen Unternehmensseiten Gold wert ist.

    2. Ein europäisches Statement (Digitale Souveränität)

    Joomla hat seine Wurzeln tief in Europa. Nach der legendären Abspaltung vom australischen Mambo-Projekt im Jahr 2005 wurde Open Source Matters gegründet, um sicherzustellen, dass der Code der Gemeinschaft gehört – und nicht Investoren. In Zeiten von DSGVO und der Diskussion um digitale Unabhängigkeit ist Joomla ein Statement. Es liefert „Privacy by Design“ ab Werk, ohne dass wir erst zehn Plugins installieren müssen, um datenschutzkonform zu sein.

    3. Die Lektionen der Vergangenheit

    Wir sind ehrlich: Wir erinnern uns noch gut an die Zeit um 2011/2012. Damals glühten bei uns die Telefone, weil Sicherheitslücken in alten Joomla-Versionen (Media Manager) Shops und Seiten lahmlegten. Wir haben damals mit unseren Kunden gelitten, die an komplizierten Updates verzweifelten. Aber genau deshalb ist unsere Wahl heute so fundiert. Wir haben genau hingeschaut: Joomla hat gelernt. Die Architektur ist gehärtet, Updates laufen automatisiert, der Code ist bereit für PHP 8.x und Enterprise-Anforderungen.

    Fazit: Das richtige Werkzeug für den richtigen Job

    Bei goneo glauben wir nicht an Glaubenskriege zwischen CMS-Systemen. Wir glauben an das passende Werkzeug.

    • Für Content, Community und schnelle News: WordPress (wie hier im Blog). Es ist unschlagbar in der Verbreitung und Einfachheit.
    • Für komplexe Strukturen, Daten-Souveränität und striktes MVC-Design: Joomla 5.4 (wie auf unserer Hauptseite).

    Wir laden euch ein, beide Welten bei uns zu erleben. Klickt euch durch die neue goneo.de, spürt die Performance des T4 Frameworks – und dann kommt gerne wieder hierher zurück, um zu lesen, was es Neues gibt.

    Wie seht ihr das? Nutzt ihr auch verschiedene Systeme für verschiedene Zwecke, oder seid ihr „One-CMS-Only“? Schreibt es uns in die Kommentare!

  • Joomla im Wandel: Wie das 20 Jahre alte CMS für die Zukunft plant

    Joomla im Wandel: Wie das 20 Jahre alte CMS für die Zukunft plant

    Erinnere dich an das Jahr 2005. Die Digitalisierung nahm gerade richtig Fahrt auf, und inmitten dieses Aufbruchs wurde ein Content Management System geboren, das dir vielleicht noch heute gut bekannt ist: Joomla!. Eine stabile Größe im Open-Source-Universum, die jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, eine tiefgreifende strategische Neuausrichtung vornimmt.

    Joomla steht am Scheideweg. Viele von uns, die das System vielleicht noch aus der frühen 3.x-Ära kennen, fragen sich: Wie kann eine 20 Jahre alte Plattform in einer Welt voller KI-Tools, Headless-Architekturen und „No-Code“-Anbieter relevant bleiben?

    Die Antwort, die das Kernteam um Produktionsleiterin Sigrid Gramlinger gibt, ist radikal, mutig und vor allem: professionell. Es ist ein Plan, der nicht nur die Codebasis, sondern auch das Selbstverständnis von Joomla neu definiert. Hier ist ihr Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=wnw1mI6d2AE.


    Abschied von der Vergangenheit: Stabilität ist das neue „Wow“

    Wenn du Joomla von früher kennst, erinnerst du dich vielleicht an lange Wartezeiten zwischen großen Versionssprüngen, die Upgrades zu einem nervenaufreibenden Projekt machten. Das ist vorbei.

    Das erste Fundament der neuen Strategie ist Planbarkeit. Joomla hat auf ein straffes, zeitbezogenes Release-Modell umgestellt: Alle zwei Jahre gibt es ein Major Release (z.B. 6.0, 7.0, 8.0), alle sechs Monate ein Minor Release und alle sechs Wochen ein Wartungs-Update. Diese strenge Taktung soll Verlässlichkeit für das gesamte Ökosystem schaffen. Du weißt jetzt genau, wann du mit neuen Funktionen rechnen kannst und wann du deine Projekte planen musst.

    Tatsächlich definieren die Entwickler die „Wow-Faktoren“ neu: Sie liegen definierterweise nicht in glitzernden Gimmicks, sondern in einer stabilen Architektur, besserer Barrierefreiheit und vor allem in reibungslosen Migrationspfaden.

    Hier findest du mehr zu, künftigen Joomla 8:
    https://magazine.joomla.org/all-issues/june-2025/joomla-8-the-future-is-planned-now .

    Hier ist die Roadmap von Joomla; Joomla 6 soll jetzt im Oktober kommen.
    https://developer.joomla.org/roadmap.html


    Die mutige Wende: Tschüss Hobbyisten, hallo Profis!

    Der vielleicht bemerkenswerteste Schritt in Joomlas Zukunftsplan ist eine strategische Trennung: Du wendest dich bewusst von den Hobby-Nutzern („do-it-yourself“ users) ab.

    Das soll keine böse Absicht sein, sondern ist vielleicht einer nüchterne Marktanalyse entsprungen. Diese Nutzergruppe wechselt ohnehin zu einfacheren „Website-Baukästen“ wie easyPage. Gleichzeitig verursachen sie hohe Support-Kosten und aktualisieren ihre Websites oft nicht, was dem Ruf des Systems schadet.

    Joomla konzentriert sich stattdessen kompromisslos auf die professionellen Anwender:

    • Agenturen und Webentwickler: Die Multiplikatoren, die Hunderte von Websites betreuen.
    • Den öffentlichen Sektor und Non-Profits: Organisationen, die Open Source, Barrierefreiheit und Compliance nach europäischen Standards benötigen.
    • Enterprise-Kunden: Für Intranets und hochstrukturierte Content-Lösungen.

    Du wirst in Zukunft sehen, wie Joomla explizit für komplexe, geschäftskritische Anwendungen entwickelt wird, bei denen Sicherheit und Stabilität mehr zählen als der einfachste Einstieg.

    Das Risiko für die Entwickler-Community

    Diese strategische Entscheidung birgt jedoch eine reale Gefahr für die Open-Source-Community und den Nachwuchs:

    Traditionell finden viele Nutzer und spätere Entwickler über „Trial and Error“ den Einstieg in ein CMS. Das hat man doch bei WordPress gesehen. Man beginnt mit einem kleinen Hobby-Projekt, experimentiert, stößt an persönliche Grenzen und professionalisiert sich dann. Diese Gruppe von initialen „Hobbyisten“ ist oft der Pool, aus dem später die professionellen Anwender, die Unternehmen gründen oder in Agenturen eintreten, hervorgehen.

    Wenn du diese Einstiegsgruppe nun strategisch ausschließt, entsteht ein Problem: Wer soll in Zukunft Leidenschaft und Wissen für Joomla in die Unternehmen tragen und das System dort empfehlen? Wo findet man Developer, die das System kennen (vermutlich kennen TYPO3 und Drupal diesen Effekt). Und wer soll die Reihen der ehrenamtlichen Entwickler, Tester und Dokumentierer auffüllen, deren Engagement für das Überleben von Joomla unerlässlich ist, wenn die Altvorderen offboarden?

    Joomla muss diesen Spagat meistern: Wie kann man die professionelle Ausrichtung konsequent verfolgen und gleichzeitig die Community-Engagement-Tools und das Onboarding so attraktiv gestalten, dass der Nachwuchs auch ohne den „Hobby-Einstieg“ den Weg zum CMS findet.


    Der Joomla 8 Sprint: KI, Compliance und globale Relevanz

    Noch eine Frage muss erlaubt sein: Wie genau sieht die technologische Zukunft von Joomla aus? Die Roadmap, die im Rahmen des „Joomla 8 Sprints“ entwickelt wird, zeigt eine klare Ausrichtung auf die globalen Anforderungen der Creator Economy, insbesondere in Europa:

    1. Automatisierung für Sicherheit: Mit Joomla 6 wird die Option für automatische Core-Updates eingeführt. Das ist ein Game Changer. Es erlaubt dir, die kritischen Sicherheitslücken zu schließen, oft bevor Hacker automatisierte Skripte entwickelt haben – ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Cyberangriffe.
    2. Compliance Center: In Europa sind regulatorische Aspekte wie die DSGVO und der EU Cyber Resilience Act (CRA) von zentraler Bedeutung. Joomla reagiert darauf mit der Vision eines Compliance Centers. Dieses Dashboard soll dir eine zentrale Übersicht über den Status von Datenschutz, Barrierefreiheit und allgemeiner Website-Gesundheit bieten. Es soll Joomla als vertrauenswürdiges und rechtskonformes CMS positionieren.
    3. Die KI-Verbindung: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind KI-Tools unerlässlich. Du kannst dich auf die Integration von KI-Funktionen für Content-Erstellung, Übersetzung und Bildgenerierung freuen. Gleichzeitig werden bessere APIs entwickelt. Diese sind essenziell, um Joomla als Headless-System zu nutzen und es nahtlos mit E-Commerce-Plattformen oder Marketing-Tools zu verbinden – die Grundvoraussetzung, um in der globalen Creator Economy mitzuspielen.
    4. Generative Engine Optimization (GEO): Neben der klassischen SEO bereitet sich Joomla auf die Generative Engine Optimization vor. Das System soll sicherstellen, dass deine Inhalte auch in den KI-Suchergebnissen sichtbar sind – ein Weichensteller für die digitale Zukunft.

    Joomla auf dem globalen Spielfeld: Video und Content Hub

    Joomla ist von Grund auf international: Multilingualität gehört seit Langem zu seinen Kernstärken. Doch die globale Creator Economy – die in „jüngeren“ Märkten wie Indien und dem gesamten Asien-Pazifik-Raum (APAC) am schnellsten wächst – stellt neue Herausforderungen.

    Während Europa den Fokus auf strukturierte Inhalte und Compliance legt, dominiert in APAC das Volumen und Video-getriebener Content, oft im Format „Content-to-Commerce“ oder Live-Shopping. Hier zählen Geschwindigkeit, Reichweite und die nahtlose Anbindung an soziale und Video-Plattformen.

    Die aktuelle strategische Ausrichtung Joomlas auf Stabilität und europäische Regularien könnte das Risiko bergen, diesen riesigen, schnelllebigen Markt zu verpassen.

    Sieht so aus als wären die geplanten technologischen Fortschritte wie das Performance Pack und die API-Erweiterung sind Joomlas einzige Chance, diesen Graben zu überbrücken: Nur wenn das System mühelos große Mediadateien (Videos) verarbeitet und die Inhalte schnell und flexibel über Headless-Funktionen an externe (Video-)Hubs verteilt, kann es sich als relevanter Content Hub in dieser jungen, dynamischen Wirtschaft etablieren. Es geht darum, nicht nur compliance-konforme Texte, sondern auch jugendgerechten, Video-first-Content zu managen.


    Die Initiative: Sei Teil des Kerns

    Joomla ist ein Freiwilligenprojekt, und sein größtes Kapital ist seine Community. Sigrid Gramlinger machte klar: Wenn die ehrenamtlichen Helfer – die Core-Community – schwinden, stirbt das System. Die Stärkung dieser Helfer, der Extension-Entwickler und der Anwender ist die wahre Initiative, mit der Joomla relevant bleiben will.

    Das Joomla-Team hat dich eingeladen: Wenn du Ideen für die Zukunft hast, beteilige dich am Joomla 8 Sprint. Reiche deine Ideen ein und bringe dich ein:

    Joomla hat sich neu erfunden. Es ist nicht mehr das „einfache“ CMS von früher, sondern ein professionelles Werkzeug, das sich auf dem Weltmarkt behaupten will. Jetzt liegt es an uns, diese strategische Wende zu unterstützen und zu nutzen. Die Zukunft von Joomla ist anspruchsvoll, aber dank der engagierten Community ist sie vor allem eines: gesichert.