Open Source Cookies und KI-Agenten: Insights vom JoomlaCamp 2026 aus Essen.

joomlacamp 2026 , stilisiertes barcamp Bild,ki generiert mit nano banana

Ich melde mich mal mit ein paar Tagen Abstand zum JoomlaCamp 2026 im Essener Unperfekthaus zurück. Wer mich kennt, weiß: Ich bin bei goneo im PM und Marketing unterwegs. Wer mich kennt, weiß: Als PM bei einem Hoster wie goneo bin ich eher Fan von klaren Strukturen und Roadmaps.

Deswegen war ich anfangs – ich gebe es zu – etwas skeptisch, was das Format angeht. Es war nämlich eine Unkonferenz (oder Barcamp, für die Retros unter uns). Das heißt: Kein festes Programm, keine vorab gebuchten Speaker-Slots.

Stattdessen hieß es am Morgen: „So Leute, was habt ihr im Gepäck?

Gelebte Agilität in Reinform

Corkboard with handwritten notes and tally marks, displaying a schedule with topics and times
Der Tagesplan für den Businessday beim JoomlaCamp 2026: Themen wurden von der Community gesammelt und nahe Echtzeit den Räumen zugewiesen.

Das Bild, das ihr hier seht, war der„Masterplan“ für den Businessday. Jeder, der was zu sagen hatte, hat sein Thema auf eine Karte geschrieben, kurz gepitcht, und die Community hat abgestimmt. Der Gastgeber hat das fast in Echtzeit in die Räume und Zeitslots einsortiert.

Was vielleicht nach Chaos klingt, hat erstaunlich gut funktioniert. Warum? Weil dadurch genau die Themen auf den Tisch kamen, die uns jetzt unter den Nägeln brennen – und nicht das, was ein Marketing-Team vor sechs Monaten in eine Agenda gepresst hat.

Für mich als Marketer bei einem Hoster ist das wie eine Fokusgruppe auf Steroiden. Ich sehe ungefiltert, wo die Reise hingeht. Hier ist mein „Professional Take“ – ohne Marketing-Sprech, dafür mit Substanz.

Als Hoster sind wir per se CMS-agnostisch. Ob du WordPress, Typo3 oder eben Joomla auf unsere Server wirfst, ist uns erst mal egal – solange es performant läuft und die Support-Kollegen nicht mit Sicherheitslücken in den Wahnsinn getrieben werden.

Wer das Gebäude Unperfekthaus kennt, weiß: Das ist ein verwinkeltes Labyrinth, viereinhalb Stockwerke hoch aus Kreativität und renoviertem Retro-Ruhrpott-Charme mit offene Dachterrassen und nettem Restaurant/Bar in der Lobby.

Das richtige Setting für das, was wir da besprochen haben. Während draußen die Welt über „NeoCoulds“ buzzworded und Claude als KI-Hype abfeiert, haben wir uns im Business-Track mal mehr oder weniger trocken angeschaut, wo die Reise für Joomla bis 2028 hingeht.

Hier also mein Recap – ein bisschen tiefer unter die Haube geschaut, als man es im Hochglanz-Prospekt lesen würde.

Wenn man zwei Tage in Essen mit der Joomla-Core-Prominenz in den Räumen sitzt, ändert sich der Blickwinkel. Aus der Hoster-Perspektive ist Joomla nämlich gerade verdammt spannend geworden. 

Cookies, Lizenzen und der deutsche „Engine Room“

Echt jetzt: Jemand hat „Open Source Cookies“ mitgebracht. Mürbeteig mit beiliegender Zutatenliste und Lizenz. Klingt nach einem Nerd-Witz, ist aber eigentlich das perfekte Sinnbild für diese Community. Man will jetzt wissen, was drin ist. Keine Blackbox ansteuern. 

In Essen wurde klar: Die deutsche und europäische Community ist das Rückgrat der Entwicklung bei Jooma. Wenn Sigrid Gramlinger (ihres Zeichens Joomla Department Coordinator Production) über die Roadmap spricht, Consent Management Ansätze abfragt oder Benjamin Trenkle (CMS Maintenance Team Leader) die AI Policy erklärt, dann merkst du: Hier geht es nicht um „schnell mal was hinklatschen“, sondern um Rechtssicherheit und professionelle Standards.

Das kann als typisch deutsch gelesen werden, im besten Sinne heißt das: Der German Stack. Die Leute hier bauen den „Engine Room“ – auch für den europäischen Mittelstand.

Wie ein CMS-agnostischer Hoster heute auf Joomla schaut

Wir bei goneo beobachten den Markt der Webanwendungen genau. Open-Source ist ein Faktor. Während andere Systeme sich in Richtung „Closed Ecosystems“ oder Plugin-Pagebuilder-Monster entwickeln, hat Joomla in Essen eine ganz andere Richtung eingeschlagen: Stabilität durch Struktur.

Security & Lifecycle: Der „Boring can be sexy“-Faktor

Aus Marketing-Sicht klingt „Sicherheit“ oft langweilig. Für uns als Hoster-Provider ist es das Fundament. In Essen ging es auch um Compliance.

  • Mein Take: Joomla 5 und 6 sind „Secure by Design“. Für uns als deutsches Unternehmen ist das Gold wert. Wir brauchen Partner und Communities, die DSGVO nicht als Hindernis, sondern als Standard akzeptieren und wahrnehmen. Die Sessions haben gezeigt: Die Leute bauen hier komplexe Business-Lösungen, keine Hobby-Blogs. Das ist die Zielgruppe, die wir bei goneo mit unseren Paketen ansprechen wollen.
  • Sicherheitsdenke bedeutet für uns: Weniger gehackte Instanzen, weniger Stress mit automatisierten Bots. Das ist für einen Hoster ein riesiges Plus bei den Betriebskosten (TCO). 

Die Technik: Von der „Insel“ zum „Hub“

Früher war Joomla eine Art Insel, ein eigener Ansatz, eigene Workflows. Heute ist es eine API-first Schaltzentrale. Verfolgt man die Sessions von Marc Dechèvre von Woluweb aus Brüssel, dann wird das sehr deutlich.

1. MCP (Model Context Protocol) – Der Gamechanger

Besonders krass waren die Sessions von David Jardin (Joomla Security Liaison)  und Stefan Wendhausen (Joomla CMS Release Team Leader) zum Model Context Protocol (MCP). Der Clou: Damit können KI-Modelle wie ChatGPT oder Claude direkt mit den Daten in Joomla „kommunizieren“. 

DIe Hoster-Perspektive: Wenn Joomla zum Headless-Hub für KI-Agenten wird, ändert das die Lastprofile auf unseren Servern. Wir bei goneo müssen hier Infrastruktur bieten, die diese API-Dauerfeuer weglächelt. Marc Dechèvre (Automatisierungsexperte) hat das mit Make-Workflows und der Joomla-API direkt in die Praxis übersetzt. Krass, was da an Effizienz drinsteckt.

  • Was das für uns bedeutet: Wenn Joomla-Instanzen anfangen, über MCP direkt mit KI-Modellen zu kommunizieren, verschiebt sich die Last auf den Servern Richtung I/O. Wir reden weniger über RAM-lastiges PHP-Rendering, sondern über API-Calls und automatisierte Workflows (Callout an Marc Dechèvre für die Demo mit Make).
  • Die Erkenntnis: Joomla entwickelt sich weg vom reinen Anzeigewerkzeug hin zum Content-Hub. Für goneo heißt das: Wir müssen unsere Infrastruktur genau auf diese API-First-Szenarien optimieren.
    MCP ist für Joomla technisch gesehen ein Sprung. Statt dass wir mühsam jedes KI-Tool per Hand anbinden, bietet Joomla eine standardisierte Schnittstelle.
  • Der Benefit: Claude, ChatGPT oder lokale LLMs können direkt mit den Joomla-Daten sprechen.
  • Use Case: Du tippst: „Analysiere die Tabelle mit den Zugriffszahlen und schreib mir basierend auf den bestperformenden Beiträgen drei Teaser-Texte für die Startseite.“ Das passiert ab 2026 nativ, ohne dass du Daten händisch kopieren musst.

2. agents.md und die neue KI-Policy

Agents.md ist quasi eine maschinenlesbare Anleitung für KI-Coding-Agenten in nahezu flachem Text. Wenn eine KI beim Coden hilft, muss sie die Struktur von Joomla verstehen. Das steht in der md-Datei. Mit diesem Standard stellen wir sicher, dass KI-generierter Code nicht den Core zerschießt. Pragmatismus schlägt hier Angst. Wir nutzen die Tools, aber kontrollieren die Qualität. Agents helfen beim Coden und Warten helfen. Für uns bedeutet das: Die Einstiegshürde für komplexe Projekte sinkt, während die Code-Qualität durch KI-Reviews steigt.

Roadmap 2028: Was ist in der Pipeline?

Ich habe mir die Pläne für die nächsten zwei Jahre angeschaut. Wer glaubt, Joomla ruht sich auf Version 5 oder 6 aus, irrt. Die Roadmap bis 2028 fokussiert sich auf drei neue Kernpunkte:

Feature-BereichErwartung bis 2028Warum das wichtig ist
Structured ContentTiefe Integration von Custom Fields in den Core-Workflow.Weniger Abhängigkeit von Overrides, sauberere Datenbanken.
Performance 2.0Native Unterstützung für modernste Bildformate und Edge-Caching.Google Core Web Vitals werden noch strenger; Joomla liefert Out-of-the-Box.
AI Integration„AI-Assisted Site Building“ im Backend.Kunden können Content-Strukturen per Prompt vorschlagen lassen.

Was kommt da auf uns und auf Anwender zu?

  • Structured Data & Custom Fields: Das ist der Tod des „Frickel-Overhead“. Joomla wird im Core so sauber, dass wir im Hosting weniger Caching-Tricks anwenden müssen, weil die Datenbankabfragen effizienter werden.
  • Mein Take: Das wird die Art, wie wir Content managen, komplett disruptieren. Wenn das CMS zum „Knowledge Hub“ wird, brauchen wir Infrastrukturen, die solche massiven API-Abfragen weglächeln.
  • PHP-Evolution: Joomla ist immer vorne mit dabei, wenn es um neue PHP-Versionen geht. Das pusht uns, unsere Plattformen aktuell zu halten, wovon am Ende alle unsere Kunden profitieren – egal welches CMS sie nutzen.

Wer trägt das Ganze eigentlich? (Governance & Business)

Manchmal wird man gefragt: „Markus, wer garantiert mir eigentlich, dass es Joomla in fünf Jahren noch gibt?“

Für uns bei goneo ist die Stabilität eines Projekts wichtig. Joomla wird von Open Source Matters (OSM) verwaltet.  Das ist kein Ein-Mann-Betrieb.

OSM ist eine Non-Profit-Organisation, nach US-Recht eine 501(c)(3)), die 2005 gegründet wurde, als sich Joomla von Mambo abgespalten hat. Wenn es um Lizenzen, Markenrechte (Trademarks) oder Verträge geht, tritt OSM als juristische Person auf. Ohne OSM gäbe es niemanden, dem die Marke „Joomla“ gehört – und das wäre im Business-Umfeld ein totales Risiko.

OSM verwaltet die Gelder. Sponsoring-Einnahmen, Spenden und Einnahmen aus dem Partner-Programm fließen hier rein und werden für die Infrastruktur (Server, Downloads, Marketing) wieder ausgegeben.

Es gibt ein Board of Directors, das strikt nach Ressorts getrennt ist (Marketing, Finance, Programs). Das Ganze ist demokratisch organisiert.

  • Ich habe mir auch mal die Board-Rollen und die Organisation angeschaut.
  • Mein Fazit: Das ist eine extrem solide, demokratische Struktur. Es gibt keinen „Single Point of Failure“ durch einen Investor, der plötzlich den Geldhahn zudreht. Diese Unabhängigkeit ist für einen Hoster wie goneo ein wichtiges Argument für die langfristige Empfehlung an unsere Kunden.

Und: Es gibt auch keinen CEO, der morgen beschließt, die Preise um 300% zu erhöhen oder das Projekt an eine Heuschrecke zu verscherbeln. Joomla gehört eigentlich allen.

Aus unternehmerischer Perspektive kann man eine gewisse  Investment-Sicherheit ableiten. Allerdings fehlt sichtlich ein kommerzieller Arm in einer Welt, in der SaaS-Tools kommen und gehen. Joomla wirkt wie der der Fels in der Brandung – ist ja auch gerad wie goneo 20 Jahre alt geworden.

Es scheint mit OSM zu funktionieren.  Die Rollen im Board sind klar verteilt. Dass Leute wie Sigrid oder Benjamin tief involviert sind, gibt Hostern das Vertrauen, dass Joomla auch 2028 noch die Engine für anspruchsvolle Business-Websites sein kann.

Mein Fazit aus Essen

JoomlaCamp 2026 war ein Augenöffner. Die Organisation und die Akteuere zeigen sich pragmatisch, hochprofessionell und haben den KI-Wandel voll auf dem Schirm. Für goneo bedeutet das: Wir werden unsere Hosting-Pakete noch spezifischer auf diese API- und KI-Workflows optimieren müssen.

Joomla 2026 fühlt sich nun weniger wie ein CMS an, mehr wie ein Enterprise-Framework. Oder – um ein anderes Bild zu wählen – wie ein gut gewarteter Motor, unaufgeregt, zuverlässig, aber mit der neuen KI-Einspritzung (MCP), so dass es jetzt richtig anziehen kann. Alle Sprachbilder haben eins gemeinsam: Sie sind mindestens leicht schief, aber sie illustrieren: Man bastelt nicht, man baut Architekturen. Und Joomla ist das Fundament, das stabil bleibt, während sich die KI-Welt drumherum dreht.

Viele Diskussionen drehten sich um Skalierbarkeit und über das YOOtheme Pro Template als Shining Star und Industriestandard für effizientes Design. Auch ein interessanter Impuls: Playwright für automatisiertes Testing. Dirketen Nutzwert lieferten Leute, die nicht der Joomla-Organisation angehören, sondern vielleicht eine Agentur betreibenm, wie zum Beispiel Peter Martin von db8 aus den Niederlanden mit der Präsentation seiner Sammlung netter Tools (nicht nur) für Joomla

Um auf den Punkt zu kommen: Wir bei goneo bleiben natürlich CMS-agnostisch, weil wir die Wahlfreiheit lieben. Aber nach diesem Joomlacamp in Essen muss ich sagen: Joomla hat seinen Platz in der Professional-Ecke mehr als verdient. Wer Struktur sucht und keine Lust auf „Lock-in-Effekte“ hat, kommt 2026 an Joomla nicht vorbei.

Die Diskussionen am Board und in den Sessions zeichnen ein klares Bild für die nächsten zwei Jahre:

  1. AI-Native Features: Nicht nur ein Plugin, sondern tiefe Integration im Core.
  2. Positioning: Ein Marketing- & Positionierungs-Experte einer Agentur hat eine interessante Debatte angestoßen: Wo liegt der Wert des Developers, wenn die KI den Code schreibt? Fragen, die man auch im Hause goneo hört. Antwort: In der Architektur und der Strategie.

Wie sieht’s bei dir aus? Hast du schon eine Strategie, wie du die neuen MCP-Möglichkeiten in deine Kundenprojekte integrierst, oder ist das für dich noch zu weit weg?

Schreib mir mal – oder noch besser: Sollen wir mal gemeinsam schauen, wie wir deine aktuelle Joomla-Instanz auf die Roadmap 2028 vorbereiten?

Fragen, die dieser Text beantworten kann

Wo fand das JoomlaCamp 2026 statt?

Das Event wurde im Unperfekthaus in Essen abgehalten.

Welches Veranstaltungsformat wurde für das JoomlaCamp gewählt?

Es handelte sich um eine Unkonferenz (auch bekannt als Barcamp), bei der es kein festes Programm oder vorab gebuchte Sprecher-Slots gab.

Wer berichtet in diesem Text über seine Erfahrungen?

Der Autor ist im Bereich Produktmanagement (PM) und Marketing bei dem Hostinganbieter goneo tätig.

Warum war der Autor dem Format gegenüber zunächst skeptisch eingestellt?

Aufgrund seiner beruflichen Rolle als Produktmanager bevorzugt er normalerweise klare Strukturen und feststehende Roadmaps, was im Gegensatz zum offenen Konzept einer Unkonferenz steht.

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